Morgenwunder

Erde & Orte

12.000 Quadratkilometer – und fast alle leben in einem Ort

Sodankylä ist eine riesige, aber extrem dünn besiedelte Gemeinde in Zentrallappland, flächenmäßig die zweitgrößte Finnlands, auf deren über 12.000 Quadratkilometern kaum mehr als 8000 Menschen leben. Die meisten davon wohnen im Hauptort am Fluss Kitinen, nördlich des Polarkreises, wo Mitternachtssonne und Polarnacht den Jahresrhythmus bestimmen und die Winter zu den kältesten Finnlands zählen. Die Landschaft ist geprägt von Wäldern, Mooren und einzelnen Fjells, dazu kommen Nationalparks und zwei große Stauseen, die in den 1960er/70er Jahren für die Wasserkraft angelegt wurden und damals ganze Dörfer unter sich begruben. Im Norden lebt eine kleine samische Minderheit, deren Vorfahren einst als Waldsamen von Jagd und Fischfang lebten, bis Assimilation und das Aussterben des Waldrentiers ihre alte Kultur im 19. Jahrhundert verschwinden ließen – erst später brachten eingewanderte Rentiernomaden aus dem Norden die bis heute betriebene Rentierzucht mit.

Geschichtlich war die Gegend lange von Schweden, dann von Russland beeinflusst, bevor sie 1917 Teil des unabhängigen Finnland wurde; die Christianisierung der Samen und die Ansiedlung finnischer Bauern veränderten die Bevölkerungsstruktur schon Jahrhunderte zuvor. Im Zweiten Weltkrieg traf es Sodankylä besonders hart: Nach einem Partisanenangriff mussten die Dörfer evakuiert werden, und beim Rückzug deutscher Truppen am Ende des Lapplandkriegs wurde das Kirchdorf nach der Taktik der verbrannten Erde zerstört. Seitdem kämpft die Gemeinde wie weite Teile Lapplands mit Abwanderung und Überalterung, die Bevölkerung ist seit den 1990er Jahren stetig geschrumpft. Wirtschaftlich dominieren heute Dienstleistungen und der Staat als Arbeitgeber, dazu kommen Forstwirtschaft, etwas Bergbau mit einer noch aktiven Goldmine sowie Wasserkraftwerke an den Flüssen, während die Arbeitslosigkeit über dem Landesdurchschnitt liegt.

Touristisch zieht Sodankylä vor allem wegen seiner Natur und einiger Besonderheiten Besucher an: Das Skigebiet am Luosto-Fjell, das Goldgräberdorf Tankavaara mit seiner Tradition des Goldwaschens und ein geophysikalisches Observatorium, das schon seit dem frühen 20. Jahrhundert Polarlichter erforscht, gehören dazu. Kulturhistorisch bedeutsam ist die jahrhundertealte, aus Holz gebaute Alte Kirche, die als eine der ältesten erhaltenen Finnlands sogar den Krieg überstand. Bekannt wurde der Ort zudem durch das von den Kaurismäki-Brüdern gegründete Midnight Sun Film Festival, bei dem unter der Mitternachtssonne rund um die Uhr Filme ohne Wettbewerb gezeigt werden und das sich bewusst als Gegenentwurf zu glamourösen Festivals wie Cannes versteht. Daneben erinnern ein Jazzfestival während der Polarnacht und jährliche Goldwasch-Meisterschaften daran, dass das abgelegene Sodankylä trotz seiner Größe ein sehr eigenständiges kulturelles Leben pflegt.

Auf über 12.000 Quadratkilometern leben 8127 Menschen – und fast zwei Drittel davon drängen sich im Hauptort am Fluss Kitinen.

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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

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