Kunst & Architektur
Ein Bund Spargel, dessen Besitzerliste lauter spricht als das Bild
Édouard Manets „Spargelbündel“ von 1880 zeigt, wie der Titel sagt, einfach ein Bund weißer Spargelstangen auf grünem Blattwerk vor dunklem Hintergrund – ein kleines, unscheinbares Motiv, das Manet mit lockerem, impressionistischem Pinselstrich in erstaunlicher Farbvielfalt malt. Technische Untersuchungen haben gezeigt, dass er die Leinwand dünn grundierte und wohl in einer einzigen Sitzung arbeitete, wobei er die Farben direkt auf der Leinwand statt auf der Palette mischte. Eng verbunden ist das Bild mit einer zweiten, kleineren Arbeit, die nur eine einzelne Spargelstange zeigt: Der Legende nach bezahlte der Sammler Charles Ephrussi mehr als vereinbart für das Bündel, worauf Manet ihm die fehlende Stange als Dank nachschickte. Vorbilder lassen sich nicht eindeutig benennen, doch erinnert das Motiv an niederländische Stillleben des Barock und an zeitgenössische französische Maler, und passt zugleich zu Manets späten Stillleben, die oft nur ein einzelnes Objekt wie eine Zitrone oder einen Apfel zeigen.
Die Geschichte des Bildes nach Manets Tod ist ungewöhnlich verschlungen und wechselvoll. Über den Kunsthändler Ephrussi gelangte es nach Berlin, wo es der Maler Max Liebermann erwarb und in seiner Villa am Wannsee aufhängte; nach der nationalsozialistischen Machtergreifung ließ seine Familie es über die Schweiz in Sicherheit bringen, während Liebermanns Witwe sich später der Deportation durch Suizid entzog. Das Bild gelangte in den Besitz der Tochter und schließlich einer Enkelin in den USA, bevor es 1967 mithilfe von Spenden deutscher Unternehmen zum Gedenken an Konrad Adenauer für das Kölner Wallraf-Richartz-Museum erworben wurde. Diese Herkunftsgeschichte machte das Werk später selbst zum Gegenstand von Kunst: Der Konzeptkünstler Hans Haacke wollte 1974 in einer Installation offenlegen, dass nach Manet alle Vorbesitzer und beteiligten Händler jüdisch waren und dass der Initiator des Museumskaufs zuvor an der „Arisierung“ jüdischen Vermögens beteiligt gewesen war. Das Projekt wurde von der Kölner Museumsleitung abgelehnt und musste stattdessen in einer privaten Galerie gezeigt werden, was unter Künstlern Proteste auslöste.
Auch jenseits dieser Provenienzgeschichte hat das Spargelbündel vielfältige Spuren hinterlassen. Der Maler Carl Schuch war von dem Werk so beeindruckt, dass er wiederholt Spargelbündel in eigene Stillleben einbaute, und der Schriftsteller Marcel Proust, der das Bild bei Ephrussi sah, verarbeitete sowohl die schillernden Farben des Spargels als auch die Anekdote um seinen Kauf in seinem großen Romanzyklus. Deutschsprachige Kritiker und Kunsthistoriker wie August Endell oder Gotthard Jedlicka priesen das Bild immer wieder enthusiastisch als Offenbarung darüber, wie ein banaler Küchengegenstand zu einer Welt aus Farbe werden kann. Noch 2023 widmete die französische Post dem Gemälde eine Briefmarke, und in einer Berliner Ausstellung ließen sich 2026 mehrere zeitgenössische Künstler erneut vom Motiv zu eigenen, teils collagenhaften oder verfremdeten Werken anregen.
Hans Haacke verwandelte die Provenienz des Bildes selbst in Kunst: den Weg aus Frankreich durch mehrere jüdische Sammlungen bis zum Ankauf 1968, bezahlt mit Spenden deutscher Unternehmen, für das Kölner Wallraf-Richartz-Museum.
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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.
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