Morgenwunder

Natur & Lebewesen

Teile der Kalkalpen sind nichts als Reste toter Seelilien

Stachelhäuter sind eine riesige Gruppe reiner Meerestiere – rund 10.500 Arten, von Seesternen und Seeigeln über Schlangensterne und Seegurken bis zu den meist festsitzenden Seelilien. So verschieden sie aussehen, fast alle teilen eine fünfstrahlige Symmetrie, die sich erst während der Entwicklung aus einer zunächst zweiseitigen Larve herausbildet. Typisch ist außerdem ihr poröses Kalkskelett direkt unter der Haut, aus dem auch die namensgebenden, beweglichen Stacheln wachsen und das Schutz, Fortbewegung und sogar Sinnesfunktionen übernehmen kann. Ein einzigartiges inneres Kanalsystem, das Ambulacralsystem, treibt über Flüssigkeitsdruck ihre Füßchen an und dient gleichzeitig der Atmung, Ausscheidung und Nahrungsaufnahme.

Ihre Fortpflanzung verläuft meist über ins Wasser abgegebene Eier und Spermien, nur selten gibt es echte Paarung oder Brutpflege, etwa bei manchen Haarsternen oder Seewalzen. Aus den Larven entstehen je nach Gruppe ganz unterschiedliche Zwischenformen, deren Gestalt davon abhängt, ob sie von eigenem Dotter leben oder im Plankton nach Nahrung suchen. Viele Arten können außerdem verlorene Arme oder Organe nachbilden und sich dadurch sogar ungeschlechtlich vermehren, indem aus abgetrennten Körperteilen neue Tiere heranwachsen. Ökologisch sind sie enorm wichtig: Seewalzen durchwühlen wie Regenwürmer den Meeresboden, manche Seesterne halten Algen in Korallenriffen in Schach, bei Massenvermehrung können sie aber auch ganze Riffe oder Tangwälder schädigen. Weil ihr Kalkskelett empfindlich auf den pH-Wert reagiert, gelten ihre Larven inzwischen als Frühwarnsystem für die Versauerung der Meere.

Fossil lassen sich Stachelhäuter bis ins frühe Kambrium vor über 540 Millionen Jahren zurückverfolgen, mit etlichen heute ausgestorbenen Bauplänen wie den spiraligen Helicoplacoidea. Aus frühen, bereits fünfstrahligen Gruppen entwickelten sich im Ordovizium jene Linien, aus denen die heutigen Klassen hervorgingen, wobei die Systematik bis heute diskutiert wird, etwa ob Schlangensterne eher mit Seesternen oder mit Seeigeln näher verwandt sind. Für den Menschen sind Stachelhäuter vor allem als Nahrungsquelle interessant, Seeigelrogen gilt in Japan als Delikatesse, getrocknete Seewalzen sind in Ostasien als Trepang begehrt, deren Giftstoffe zudem als mögliche Krebsmittel erforscht werden. Weniger angenehm sind Begegnungen mit giftigen Seeigelstacheln, die beim Hineintreten leicht abbrechen und schwer zu entfernen sind. Gemahlene Seesterne landen zudem als Kalkzusatz im Tierfutter, während ihre Massenvermehrung Austern- und Muschelzuchten erheblichen Schaden zufügen kann.

Rund 10.500 lebende Arten sind bekannt – und obwohl ihre Schalen ganze Kalksteine bilden, stammt der größere Teil solcher Ablagerungen aus winzigen schwebenden Kalkalgen.

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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

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