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Die Straßenbahn, die ihre Wagen selbst baute – für halb Rumänien

Die Straßenbahn Timișoara ist nach Bukarest das zweitgrößte Netz Rumäniens und zugleich das älteste des Landes: Sie begann 1869 als Pferdebahn und wurde 1899 elektrifiziert, womit Timișoara zur zweiten elektrischen Straßenbahn Rumäniens wurde. Heute fahren acht Linien auf 33 Kilometern durch sieben der zehn Stadtbezirke, betrieben von der Gesellschaft S.T.P.T., die zusammen mit Trolleybus und Autobus jährlich rund 90 Millionen Fahrgäste befördert. Besonders war über die Jahrzehnte vieles: eigene Güterwagen der Staatsbahn fuhren zeitweise auf den Straßenbahngleisen, Zwillingstriebwagen prägten jahrzehntelang den Betrieb, und Linien wurden mit farbigen Signalen statt Nummern unterschieden.

Die Geschichte des Netzes ist vor allem eine Geschichte ständiger Anpassung an wachsende Stadtviertel und wechselnde politische Verhältnisse: Nach der Kommunalisierung 1904 kamen in der ungarischen, dann rumänischen Zeit immer neue Vorortstrecken hinzu, etwa nach Fratelia, Freidorf oder in die Ronaț, oft mit jahrzehntelangen Verzögerungen gegenüber ursprünglichen Plänen aus der Vorkriegszeit. Zwei Weltkriege, die Kommunalisierung der Stromversorgung, der Umstieg von Links- auf Rechtsverkehr 1919 sowie spätere Wirtschaftskrisen brachten immer wieder Betriebseinschränkungen, Wagenmangel oder Linienumbenennungen mit sich. In der sozialistischen Zeit sorgte die rasante Industrialisierung, etwa rund um das Schwermaschinenwerk U.M.T., für Verstärkerlinien, Doppel- und Dreiwagenzüge, während die Energiekrise der 1980er Jahre zu überfüllten, schlecht gewarteten Zügen und Taktausdünnungen führte. Die eigene Fahrzeugproduktion, von den ersten Weitzer-Triebwagen bis zum landeseigenen Typ Timiș 2, wurde ab 1977 an die Firma Electrometal übergeben, bevor nach der Revolution von 1989 der wirtschaftliche Einbruch, sinkende Fahrgastzahlen und fehlende Neufahrzeuge den Betrieb prägten.

Seit den 1990er Jahren bestimmen Modernisierung und Improvisation das Bild: Gebrauchte Gelenkwagen aus deutschen Städten wie Bremen, Karlsruhe, München, Frankfurt und Düsseldorf ersetzten nach und nach die alten Timiș-2-Züge, wurden teils aufwendig zum Typ Armonia rekonstruiert und erst seit 2021 schrittweise durch neue, niederflurige Fahrzeuge aus der Türkei abgelöst. Parallel dazu erneuerte man mit Unterstützung der Weltbank sukzessive die maroden Gleisanlagen, baute Ringlinien, Wendeschleifen und zweigleisige Abschnitte aus und gab 2017 sogar ein eigenes Straßenbahnmuseum, während Personalmangel und Bauarbeiten zuletzt wiederholt einzelne Linien zeitweise stilllegten. Der frühere, einst bedeutende Güterverkehr auf den Straßenbahngleisen, etwa zur Brauerei oder zu diversen Fabriken, ist inzwischen komplett eingestellt, und für die Zukunft plant die Stadt eine Verlängerung ins benachbarte Moșnița Nouă.

Bis 1993 rollten Güterwagen der rumänischen Staatsbahn über die Straßenbahngleise der Stadt. 1977 gab der Betrieb den eigenen Fahrzeugbau an ein Maschinenbauunternehmen ab.

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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

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