Erfindungen & Technik
5,6 Kilometer Gleis, die seit 1913 niemand verlängert hat
Die Straßenbahn Woltersdorf ist eine winzige Überlandbahn am Ostrand Berlins, die seit 1913 unverändert nur 5,6 Kilometer lang ist und den S-Bahnhof Rahnsdorf mit der brandenburgischen Gemeinde Woltersdorf verbindet. Du erfährst, dass die Idee dazu aus dem Zuzug vieler Berliner um 1900 entstand, mehrere frühere Bahnprojekte aber an Geldmangel und Streit scheiterten, bis die Gemeinde den Bau 1911 schließlich selbst in die Hand nahm. Zwei Weltkriege, Inflation und Materialknappheit brachten den Betrieb immer wieder an den Rand der Einstellung, während ausgerechnet im Zweiten Weltkrieg die Fahrgastzahlen durch Berliner auf der Flucht vor Bombenangriffen einen Höchststand erreichten. In der DDR-Zeit wurde die Bahn mehrfach anderen Kombinaten angegliedert, verlor dabei Personal an besser zahlende Industriebetriebe und bekam ab 1977 gebrauchte Gothawagen aus anderen Städten, die bis ins Jahr 2025 im Einsatz blieben.
Nach der Wende drohte der Bahn 1991 wegen der ungeklärten Finanzierung durch die Treuhandanstalt sogar die komplette Einstellung, sie überlebte aber dank Nothilfen und ging schließlich zur Hälfte an die Gemeinde und zur Hälfte an den Landkreis. Seitdem wurden Gleise, Fahrleitung und Betriebshof schrittweise saniert, eine neue Ausweiche am Berliner Platz ermöglichte ab 2006 einen verdichteten Takt, und seit 2020 führt die Nachbarbahn aus Schöneiche-Rüdersdorf den Betrieb. Die eingleisige Strecke mit ihren zehn Haltestellen führt durch Wald, vorbei an steilen Gefällestrecken mit bis zu 67 Promille Neigung, die beim Bau eigens Schienenbremsen und einen Seitenwechsel der Gleise nötig machten. Auch die Stromversorgung hat eine bewegte Geschichte: Ein eigenes Kraftwerk mit Sauggasmotoren wurde im Ersten Weltkrieg marode und später durch Quecksilberdampfgleichrichter ersetzt, bevor moderne Thyristortechnik einzog.
Beim Wagenpark reicht die Geschichte von den ursprünglichen Loren Orenstein & Koppels über gebrauchte Fahrzeuge aus Salzburg, Potsdam und Berlin bis zu den jahrzehntelang prägenden Gothawagen, die erst 2024 und 2025 durch moderne niederflurige Triebwagen aus Polen ersetzt wurden. Mehrere der alten Wagen wurden danach an Museen in Hannover, Chemnitz und Liberec abgegeben, während andere als historische Fahrzeuge in Woltersdorf blieben und bei Jubiläen weiter fahren. Die Bahn bewahrt außerdem Arbeitswagen wie Schneepflug und Turmwagen sowie mehrfach geliehene Berliner Maximumwagen, die zu besonderen Anlässen aushalfen. Bis heute wird die Strecke ohne Signale betrieben, Züge verständigen sich an Ausweichen über einfache Tafeln, und ein eigener Haustarif gilt neben dem regulären Verbundtarif der Region.
Die Strecke ist seit der Eröffnung im Mai 1913 exakt gleich lang geblieben: 5,6 Kilometer, an beiden Enden nie erweitert.
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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.
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