Erde & Orte
Schweizer Boden, den seit 1831 eine deutsche Stadt verwaltet
Das Tägermoos ist ein kleines Flurstück zwischen Konstanz und der Schweizer Gemeinde Tägerwilen, das staatsrechtlich zur Schweiz gehört, verwaltungstechnisch aber zu grossen Teilen von der deutschen Stadt Konstanz betreut wird. Diese kuriose Doppelzugehörigkeit geht auf einen Staatsvertrag von 1831 zurück, der nach jahrelangem Streit um den Grenzverlauf zwischen Baden und dem Kanton Thurgau geschlossen wurde. Konstanz übernimmt seither Vermessung, Grundbuch, Wege und Versorgung, während Tägerwilen etwa über Baugenehmigungen entscheidet und Steuerfragen eigens geregelt sind. Weil beide Systeme nebeneinander bestehen, gibt es im Gelände sogar einen Vermessungsversatz von 25 Zentimetern, und Verkehrsschilder wechseln je nach Zuständigkeit zwischen Schweizer und deutscher Beschriftung. Seit 2006 wird über eine Reform dieses alten Vertrags verhandelt, ohne dass man sich bislang auf strittige steuerliche Punkte einigen konnte.
Ursprünglich war das Gebiet eine sumpfige Allmendeweide, die Konstanz schon im Mittelalter vom Schottenkloster erworben hatte und jahrhundertelang als Viehweide nutzte, bevor es um 1800 unter französischer Besatzung in Parzellen aufgeteilt und an Bürger verlost wurde. Mit der Gründung der Helvetischen Republik 1798 fiel das Moos staatsrechtlich an die Schweiz, während Konstanz seine alten Nutzungsrechte behielt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Grenze zeitweise ganz geschlossen, ein hoher Stacheldrahtzaun trennte die Paradieser Bauern von ihren eigenen Äckern, und erst nach Kriegsende durften sie wieder regelmässig hinüber. Gerade in dieser Zeit fanden im Tägermoos auch die Verhandlungen statt, die zur friedlichen Übergabe von Konstanz an die Franzosen führten. Der Zaun blieb, wenn auch gestutzt, noch bis weit nach dem Krieg stehen und wurde erst 2006 auf Gartenzaunhöhe gekürzt.
Heute ist das Tägermoos vor allem fruchtbares Ackerland mit Schwerpunkt auf Gemüseanbau, dazu kommen Kleingärten, ein paar Höfe mit insgesamt nur wenigen Dutzend Einwohnern und zwei Badestellen am Seerhein. Historische Bauten wie der alte Ziegelhof oder das einst illegal errichtete Trompeterschlössle erzählen von früheren Nutzungen, und am Ostrand sorgt seit dem Jahr 2000 eine gemeinsame deutsch-schweizerische Zollanlage für den Verkehr zwischen Autobahn und Bundesstrasse. Der kleine Grenzübergang Gottlieber Zoll wurde schon früher gern zum Schmuggeln genutzt, besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Während der Coronapandemie wurde die Grenze dort zum ersten Mal seit 1974 wieder geschlossen, mit spürbaren Folgen für die Menschen beidseits der Linie. Naturschutz und Hochwassergefahr prägen zudem bis heute die Ufer am Seerhein, die nur knapp über dem Wasserspiegel liegen.
Das Gebiet grenzt im Osten an den Konstanzer Stadtteil Paradies und im Südosten an Kreuzlingen – zwischen zwei Ländern, aber verwaltungstechnisch zu dem gehörend, in dem es gar nicht liegt.
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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.
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