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Ob eine Tierkrankheit eine Seuche ist, entscheidet kein Virus

Eine Tierseuche ist nicht einfach eine schwere Tierkrankheit, sondern ein juristisch definierter Begriff: Der Staat erklärt eine Erkrankung zur Tierseuche, weil er ein Interesse daran hat, sie zu bekämpfen oder ganz auszurotten. Deshalb fällt zum Beispiel die hochinfektiöse Katzenseuche nicht darunter, weil sie weder Menschen noch die Katzenpopulation ernsthaft bedroht. Eingeteilt werden Tierseuchen nach dem Erreger – Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten oder Prionen wie bei BSE – und nach ihrem Ausbreitungsmuster, von regional gehäuften Enzootien bis zu Panzootien über ganze Kontinente. Manche, wie Tollwut, sind Zoonosen und damit auch für den Menschen gefährlich, viele andere treffen nur Tiere, richten aber trotzdem gewaltigen wirtschaftlichen Schaden an, wie der Schweinepest-Ausbruch 1997/98 in den Niederlanden mit Kosten von mehreren Milliarden Euro und zwölf Millionen getöteten Schweinen zeigt.

Weil solche Seuchen ganze Volkswirtschaften treffen können, greifen Staaten mit drastischen Mitteln ein: Melde- und Bekämpfungspflichten, Quarantäne, Sperrbezirke, Impf- oder gerade Behandlungsverbote und notfalls die Massentötung ganzer Bestände. Wie hart durchgegriffen wird, hängt dabei nicht unbedingt davon ab, wie gefährlich eine Seuche für den Menschen ist, sondern auch von Handelsinteressen oder der Angst, eine bereits ausgerottete Krankheit könnte zurückkehren – was in Fachkreisen und der Bevölkerung immer wieder für Streit sorgt. Ein Nebeneffekt der erfolgreichen Tilgung vieler gefährlicher Seuchen in Europa ist außerdem, dass die hiesigen Tierbestände kaum noch Abwehrkräfte gegen sie besitzen, während die Erreger in Afrika und Asien weiterhin verbreitet sind und jederzeit eingeschleppt werden könnten. International koordiniert die Weltorganisation für Tiergesundheit die Meldungen der einzelnen Länder, und innerhalb der EU gilt seit 2021 mit einer gemeinsamen Verordnung erstmals ein einheitliches Tierseuchenrecht, das die nationalen Gesetze in Deutschland, Österreich und der Schweiz nur noch ergänzen dürfen.

Geschichtlich lässt sich das Auftreten von Tierseuchen kaum zurückverfolgen, weil sie anders als etwa Tuberkulose meist keine Spuren an Knochen hinterlassen und frühe Beschreibungen oft nicht sicher einer bestimmten Krankheit zuzuordnen sind. Schon in der Antike berichteten griechische und römische Autoren über Pferdekrankheiten, und im Mittelalter verheerten vor allem Rinderpest und Milzbrand ganze Bestände, oft im Gefolge von Kriegen. Die enormen Verluste durch die Rinderpest – im 18. Jahrhundert allein in Europa schätzungsweise 200 Millionen Rinder – führten zur Gründung der ersten tierärztlichen Hochschulen und zu erstaunlich modernen Seuchengesetzen, die Anzeigepflicht, Sperrung und Entschädigung vorsahen, lange bevor man die Erreger überhaupt kannte. Mit der Bakteriologie des 19. Jahrhunderts, etwa durch Robert Koch und Louis Pasteur, und später der Entdeckung der Viren und schließlich der Prionen durch Stanley Prusiner 1982 bekamen die verschiedenen Seuchentypen endlich eine wissenschaftliche Grundlage, während jüngere Ausbrüche wie BSE, die Schweinepest in den Niederlanden oder die Maul- und Klauenseuche 2001 in Großbritannien zeigen, dass das Problem bis in die Gegenwart reicht.

Die hochansteckende Katzenseuche gilt rechtlich nicht als Tierseuche, weil sie weder den Menschen noch die Katzenpopulation ernsthaft bedroht.

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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

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