Ungelöste Rätsel · Erde & Orte
Alle suchen Nazi-Gold, hochgeholt wurden Kisten voller Blüten
Der Toplitzsee liegt still und fjordartig im steirischen Salzkammergut, eingeschnitten in die Felsen des Toten Gebirges. Er ist tief, rund 62 Meter im Schnitt, und seine Schichtung ist bemerkenswert: Unterhalb von etwa 20 Metern fehlt Sauerstoff, der Salzgehalt steigt stark an, und das Wasser in der Tiefe durchmischt sich praktisch nie mit der Oberfläche. Dadurch haben sich dort eigene Lebensgemeinschaften aus Mikroorganismen gebildet, während Fische und die meisten Pflanzen nur in den oberen, sauerstoffreichen Schichten vorkommen. Rundherum wachsen naturnahe Buchenmischwälder mit seltenen Vogelarten wie dem Zwergschnäpper, und der See steht seit 1991 unter Naturschutz.
Seine Geschichte reicht weit zurück bis zur Holztrift fürs Salzsudhaus, wofür im 16. Jahrhundert ein heute denkmalgeschützter Kanal in den Felsen geschlagen wurde. Berühmt wurde der See aber durch das Ende des Zweiten Weltkriegs: Die deutsche Kriegsmarine hatte dort ab 1943 eine geheime Station, an der Sprengstoffe und Unterwasserwaffen getestet wurden, darunter auch eine geplante Abwehrrakete für U-Boote. Kurz vor Kriegsende versenkten Beteiligte der sogenannten Aktion Bernhard, bei der britische Pfundnoten gefälscht worden waren, mehrere Kisten mit diesem Falschgeld im See, was bis heute nicht in allen Einzelheiten rekonstruierbar ist. Daraus entstand der hartnäckige Mythos von versenktem Gold, Kunstschätzen oder geheimen Akten, der Journalisten, Schatzsucher und sogar einen tödlichen Tauchunfall anzog. Mehrere große Bergungsaktionen, etwa durch den Stern 1959 und das Innenministerium 1963, förderten jedoch nur Falschgeldkisten und Kriegsrelikte zutage, nie den erhofften Schatz.
Heute gehört der See den Österreichischen Bundesforsten, die ihn zur Fischerei nutzen und den Saibling als regionale Spezialität vermarkten, während Tauchen und private Boote verboten sind. Trotzdem bleibt er ein beliebtes Ausflugsziel, erreichbar zu Fuß oder per Boot zum benachbarten Kammersee, mit einer Fischerhütte, die über die bewegte Geschichte informiert. Der Mythos lebt auch kulturell weiter: Der See diente als Schauplatz für einen Film über die Falschgeldbergung, inspirierte eine Szene im James-Bond-Film Goldfinger und taucht unter anderem Namen in weiteren Filmen und einem Kriminalroman auf. Damit ist der Toplitzsee längst mehr als ein geologisches oder biologisches Phänomen geworden, er ist Teil einer Legende, die sich bis heute hartnäckig hält.
Unterhalb von etwa 20 Metern Tiefe enthält der Toplitzsee keinen Sauerstoff mehr, dafür steigt der Salzgehalt nach unten auf 0,75 Prozent.
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Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.
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