Morgenwunder

Erde & Orte · Essen & Trinken

Zwei Prozent einer Großstadt sind Weinberge

Stuttgart ist, was viele nicht erwarten würden, eine der größten Weinbaugemeinden Deutschlands: Auf gut zwei Prozent der Stadtfläche stehen Reben, verteilt auf 16 Stadtbezirke und rund 500 meist im Nebenerwerb geführte Betriebe. Möglich macht das ein besonders mildes Klima im Neckartal mit viel Sonne und einer langen Vegetationsperiode, nur Hagel setzt den steilen Lagen gelegentlich zu. Der karge Keuper- und Muschelkalkboden zwingt die Reben, tief zu wurzeln, was mit zur Qualität beiträgt. Angebaut wird überwiegend Rotwein, allen voran der traditionelle Trollinger, daneben gewinnen Dornfelder und zunehmend auch südländische Sorten wie Merlot an Bedeutung, während beim Weißwein der Riesling führt.

Den größten Teil der Produktion liefern fünf Genossenschaften, die sich in den letzten Jahren von reiner Massenware hin zu anspruchsvolleren Linien mit modernem Kellerausbau entwickelt haben, angeführt von der Weinmanufaktur Untertürkheim. Daneben gibt es private Weingüter, von denen einige, etwa in Untertürkheim und Fellbach, überregional bekannt sind und Mitglied im Verband der Prädikatsweingüter sind. Auch die Stadt selbst betreibt seit 1949 ein eigenes Weingut, das trotz gestiegener Qualität wirtschaftlich in den roten Zahlen steckt und über eine mögliche Verpachtung oder Privatisierung nachdenkt. Die schönsten und steilsten Lagen mit ihren historischen Mauerterrassen findet man vor allem entlang des Neckars in Stadtteilen wie Untertürkheim und Uhlbach, während die einst ausgedehnten innerstädtischen Weinberge dem Wachstum der Großstadt zum Opfer gefallen sind.

Die Geschichte des Weinbaus reicht bis ins frühe Mittelalter zurück und war für Stuttgart über Jahrhunderte die wichtigste Erwerbsquelle, im 16. Jahrhundert bewirtschaftete man sogar über 1200 Hektar. Kriege, herzogliche Verbote und später die Industrialisierung ließen die Rebfläche immer wieder schrumpfen, und die Flurbereinigung ab den 1960er Jahren veränderte viele Steillagen grundlegend, indem Trockenmauern breiteren, maschinengerechten Terrassen wichen. Die einst politisch einflussreichen Weingärtner haben zwar an wirtschaftlichem Gewicht verloren, sitzen aber bis heute im Stuttgarter Gemeinderat. Bis heute pflegt die Stadt ihre Weinkultur mit Festen wie dem großen Weindorf, zahlreichen Besenwirtschaften und einem eigenen Weinbaumuseum in Uhlbach.

71 Prozent der Stuttgarter Produktion sind Rotwein – 295 der insgesamt 415 bestockten Hektar.

Den ganzen Artikel „Weinbau in Stuttgart“ auf Wikipedia lesen

Der Artikel stammt aus der Wikipedia und steht unter CC BY-SA 4.0. Die Einleitung oben ist unsere eigene.

Jeden Morgen einer.

Ein Wikipedia-Artikel pro Tag, zu deiner Uhrzeit, aus den Themen, die du willst. Kostenlos, jederzeit abbestellbar.

Anmelden